Gulf Islands & Strait of Georgia
Die Anreise ist eine Geschichte für sich. Sie fängt damit an, dass wir unsere automatischen Rettungswesten beim Check-in als Gefahrgut deklarieren müssen. Kaum sitzen wir abflugbereit im Flugzeug, meldet der Kapitän eine defekte Treibstoffpumpe, und als wir schließlich mit fast zwei Stunden Verspätung starten, ist längst klar, dass der Anschlussflug ohne uns geht. Zehn Stunden später, irgendwo über Grönland, sehen wir aus dem Fenster weiße Berge und Eisschollen. In Victoria ist es dann 21 Uhr, für uns aber schon sechs Uhr morgens.
Am nächsten Morgen fahren wir zum großen Einkauf, und als wir zurück in die Marina kommen, sonnen sich direkt an der Hafenausfahrt Robben auf den Felsen, drei Mütter mit ihren Jungen. Wir schauen lange zu. Am Abend laufen wir trotzdem noch aus und ankern kurz vor Sonnenuntergang bei Russell Island.
Die ersten Tage sind ein Hineintasten in ein fremdes Revier. Zwischen den Gulf Islands beobachten wir Seeadler, die sich mit Krähen um die besten Sitzplätze streiten, in der Narvaez Bay sehen wir Eisvögel bei der Jagd, und am Morgen schwimmen zwei Fischotter ganz entspannt die Küste entlang. Nebenbei die erste Lektion: Gegen die Strömung ist der Motor deutlich schwächer, als man denkt — zeitweise kommen wir kaum vom Fleck, bis der Strom endlich kentert und uns weiterschiebt. Einmal zeigen die Instrumente sogar, dass wir rückwärts fahren, obwohl wir spürbar durchs Wasser segeln.
Vor Nanaimo liegt Dodds Narrows, die erste echte Engstelle der Reise. Wir passieren sie kurz vor neun bei stehendem Wasser, die Durchfahrt ist entsprechend unspektakulär. In Nanaimo selbst ist der Stadthafen voll, also ankern wir gegenüber zwischen Dutzenden anderer Boote und fahren mit dem Dinghi hinein. Am Ufer hantieren Kräne mit tonnenweise Baumstämmen, daneben türmen sich ganze Berge von Sägespänen. Das Wasser hat erstaunliche 18 Grad, und ein paar von uns gehen tatsächlich schwimmen.
Auf dem Weg nach Norden geht anfangs ordentlich Wind und wir segeln, aber er kommt genau von dort, wo wir hinwollen. Irgendwann bergen wir und motoren weiter. Später schläft er ganz ein, das Meer wird flach wie eine Badewanne, und in dieser Stille entdeckt Angelika eine Wasserfontäne am Horizont. Wir drehen bei, und in der warmen Abendsonne blasen rings um das Boot Wale aus, tauchen ab und tauchen wieder auf.
Der Tag darauf beginnt schon um sieben, und diese frühe Abfahrt zahlt sich gleich doppelt aus: Die Strömung schiebt länger mit uns, und für anderthalb Stunden begleitet uns eine Gruppe Orcas. In Campbell River kaufen wir dann Bärenspray und laden Proviant für zwei Wochen an Bord, denn von hier an geht es in den Norden und tief ins Knight Inlet hinein, und der nächste Supermarkt liegt zehn Tage entfernt in Port McNeill.
- Deep Cove, North Saanich — Basis von Island Cruising, Start und Ziel. Volle Versorgung.
- Russell Island — Ankerbucht, eine Stunde vom Hafen. Waldpfad, Felsstrand.
- Narvaez Bay (Saturna Island) — Ankerbucht, 48°46,5′ N / 123°06,2′ W, wenige Meter von der US-Grenze.
- Pirates Cove (De Courcy Island) — Wartestopp vor dem Strömungsfenster von Dodds Narrows.
- Nanaimo — Stadthafen im August voll; Ankern gegenüber gut möglich, Dinghi-Weg in die Stadt.
- Hornby Island — Ankerbucht, 49°31,1′ N / 124°37,9′ W.
- Campbell River — Marina, volle Versorgung. Letzter großer Einkauf vor dem Knight Inlet.
Bis Campbell River ist das Revier touristisch und dicht befahren; wer Einsamkeit sucht, findet sie erst weiter nördlich. Campbell River ist außerdem der letzte Ort, an dem man vor dem Knight Inlet noch vernünftig einkaufen kann: Danach kommt zehn Tage lang kein Supermarkt mehr, bis Port McNeill. Bei uns ist die Rechnung am Ende nur knapp aufgegangen, weil uns durch die ständige Feuchtigkeit an Bord ein Teil des Brotes verschimmelt ist. Wer für zwei Wochen kauft, sollte einkalkulieren, dass nicht alles davon zwei Wochen übersteht.






